
LANDKREIS ROTH - »Landkreistour 2010«: Das Motto ist an die zeitgleich stattfindende »Tour de France« angelehnt. So tourten die beiden SPD-Landtagsabgeordneten, Helga Schmitt-Bussinger aus Schwabach und der in Wolkersdorf aufgewachsene Dr. Thomas Beyer einen Tag lang durch ihren Betreuungslandkreis Roth und seine verschiedenen Institutionen.
Begleitet von der SPD-Kreis- und Fraktionsvorsitzenden Christine Rodarius und weiteren Kommunalpolitikern wie auch dem Hilpoltsteiner Bürgermeister Markus Mahl besuchten sie unter anderem die Regens-Wagner-Stiftung in Zell und einen mittelständischen Fahrzeugbetrieb in Heideck. Den Abschluss bildete ein Gedankenaustausch mit Landrat Herbert Eckstein.
Sprichwörtlich »offene Türen« fand der Politikertross bei der Regens-Wagner-Stiftung in Zell vor. »Wir arbeiten mit Menschen und für Menschen und verhelfen ihnen zu so viel gesellschaftlicher Teilhabe wie möglich. Oft sind darunter auch Menschen, mit denen zu arbeiten sonst niemand Erfolg hatte«, beschrieb Schwester Gerda, die Leiterin der Einrichtung, die Aufgabe ihres engagierten Mitarbeiterstabs.
Hilfe für Mehrfachbehinderte
Die Einrichtung habe sich auf die Arbeit mit Gehörlosen und Mehrfachbehinderten spezialisiert, berichtete der stellvertretende Geschäftsleiter Norbert Müller. Hier bietet die Regens-Wagner-Stiftung vielseitige Angebote, wie beispielsweise einen integrativen Kindergarten, eine Förderschule speziell für Gehörlose und Mehrfachbehinderte oder auch eine in der Burgstadt angesiedelte Berufsschule.
Besonders wichtig war für Helga Schmitt-Bussinger und Thomas Beyer auch der Austausch zum Themenkomplex der Inklusion, der Gleichbehandlung behinderter Menschen, dem aktuellen politischen »Modethema«, wie Beyer ironisch zum hier gezeigten Aktionismus der Landespolitik anmerkte.
Das Gegenteil bewirkt?
Aus ihrer Sicht werde die Diskussion über die Inklusion zumindest derzeit noch sehr oberflächlich geführt, bestätigte Schwester Gerda Beyers Auffassung. Oftmals bewirke eine Eingliederung von Versehrten in das Korsett der Regelschule genau das Gegenteil zur ursprünglichen Absicht. Gerade im Bereich der hörgeschädigten behinderten Kinder und Jugendlichen sehe sie die Gefahr, sich oftmals eher ausgeschlossen als eingebunden zu fühlen.
Das konnte Helga Schmitt-Bussinger auch aus ihrer Vorstandsarbeit in der Lebenshilfe Schwabach nur bestätigen. Viel wichtiger seien individuelle Förderung und möglichst viele Kooperationsmöglichkeiten. Welche individuelle Förderung den Schülerinnen und Schülern speziell in der Regens-Wagner-Stiftung zuteil wird, konnten die Politiker beim anschließenden Unterrichtsbesuch in der angegliederten Förderschule »live« miterleben. Eine der zentralen Aufgaben der Schule sah Direktor Otto Wagmann in der Sensibilisierung und Beratung der Elternschaft.
Schranken fallen
Sowohl die Politiker als auch die Mitarbeiter der Stiftung waren sich einig, dass das Ziel der Inklusion im Sinne eines Abbaus von gesellschaftlichen Schranken für Menschen mit Behinderung unbedingt weiterverfolgt werden müsse, die individuelle Förderung deswegen aber in keinem Fall zu kurz kommen dürfe.
Um die Förderung des Mittelstands ging es im weiteren Verlauf des Besuchsprogramms der beiden Landtagsabgeordneten. Im Austausch mit der Geschäftsleitung des Familienbetriebs »Autohaus Macht« in Heideck geißelten die SPD- Politiker die aus ihrer Sicht als »Knebelverträge« anmutenden Kontrakte der Fahrzeughersteller mit ihren Händlern. Immer mehr Betriebe seien nicht in der Lage, den immer schärfer werdenden Auflagen der Autokonzerne gerecht zu werden, wusste Norbert Macht aus seinen Gesprächen mit verbundenen Autohändlern zu berichten. Hier sieht Thomas Beyer auch IHK und Innung als »Sprachrohre« der Händler gefordert. Als Konsequenz würden sonst bei den Fahrzeughändlern Konkurswellen drohen.
10.7.2010